Am 21. November präsentierte Martin Dotzauer, Produktmanager Biogas bei e2m und selbständiger Berater, im Rahmen eines Workshops auf der Statuskonferenz Bioenergie noch einmal die Ergebnisse der im April veröffentlichten Studie „The Value of Flexible Bioenergy“, dieses Mal ergänzt um erste aktualisierte Einschätzungen für das Jahr 2024.
Die Studie, verfasst von Martin Dotzauer und Prof. Dr. Daniela Thrän, analysiert den ökonomischen Beitrag flexibler Bioenergie zur Stabilisierung der Strommärkte in Deutschland, Österreich und Finnland. Der Ansatz ist empirisch und basiert auf historischen Preis- und Erzeugungsdaten einem Kalenderjahr. Schon diese Daten zeigen deutlich: Flexible Bioenergie ist ein zentraler Faktor für Wirtschaftlichkeit, Stabilität und Versorgungssicherheit in den europäischen Energiesystemen.
Bioenergie unterscheidet sich grundlegend von Wind- und Solarenergie:
Sie ist erneuerbar, aber zugleich steuerbar. Das bedeutet, sie kann bedarfsgerecht einspringen, wenn andere erneuerbare Quellen nicht ausreichend verfügbar sind, und genau in diesen Momenten ist ihr Wert besonders hoch.
Viele europäische Länder haben Mechanismen entwickelt, um flexible Bioenergie gezielt zu fördern:
Die Studie zeigt, dass genau diese Fähigkeit zur bedarfsgerechten Fahrweise einen erheblichen volkswirtschaftlichen Nutzen generiert.
Die Autoren modellierten zwei Szenarien:
Anschließend berechneten sie, wie sich die Strompreise in beiden Szenarien entwickeln würden. Das Ergebnis ist eindeutig:
Flexible Bioenergie reduziert die Strombeschaffungskosten europaweit um über 1 Milliarde Euro im Jahr 2023.
Die Einsparungen im Detail:
Besonders bemerkenswert:
Obwohl Deutschland die größte Bioenergie-Kapazität der drei Länder besitzt, erzielt Finnland den stärksten relativen Preisentlastungseffekt. Grund ist die stark saisonale, aber systemdienliche Fahrweise finnischer Biomasseanlagen sowie die sich verändernde Struktur des finnischen Strommarkts.
Die Autoren erklären diesen Effekt anhand des Merit-Order-Prinzips. Dieses regelt, welche Kraftwerke in welcher Reihenfolge zum Einsatz kommen:
Diese Flexibilität führt zu Preisglättung, einer Reduzierung extremer Preisspitzen und zu einer stabileren Gesamtsystemdynamik.
Bioenergie übernimmt damit eine Rolle, die neben Speichern und Demand Side Management künftig noch wichtiger wird.
Die Studie verwendet ein empirisches ex-post-Modell, das auf historischen Daten basiert und keine Zukunftsprognosen macht.
Besonders spannend:
Dies verleiht der Studie eine hohe Glaubwürdigkeit, weil sie markthistorische Realität statt theoretischer Szenarien abbildet.
In seiner Präsentation stellte Martin Dotzauer erste aktualisierte Einschätzungen für das Jahr 2024 vor und auch hier zeichnet sich im Strommarkt ein klares Bild:
Die Kernaussage:
Auch 2024 zeigt sich ein deutlicher Systemnutzen und die flexible Bioenergie hat schätzungsweise 250 Mio € Einsparungen in der Strombeschaffung erbracht.
Der Beitrag auf der Statuskonferenz machte deutlich:
Bioenergie steht an einer entscheidenden Schwelle – nicht nur als erneuerbare Energiequelle, sondern als systemstabilisierende Kraft, deren Potenzial politisch und wirtschaftlich noch stärker gehoben werden kann.
Die Studie und die ergänzten 2024er Einschätzungen zeigen unmissverständlich:
Flexible Bioenergie wirkt – und zwar in einem Ausmaß, das bisher oft unterschätzt wurde. Sie senkt Strompreise, stärkt Versorgungssicherheit, stabilisiert erneuerbare Stromsysteme und wird zu einem unverzichtbaren Baustein der Energiewende.
Mit wachsendem Anteil von Wind und Solar wird ihr Wert weiter steigen und sie wird eine Schlüsselrolle im europäischen Energiesystem der Zukunft einnehmen.
📄 Zur Studie (PDF):
The Value of Flexible Bioenergy – IEA Bioenergy Task 44
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